Donnerstag, 7. Februar 2013

Of the beaten track im Senegal, 15.12. – 11.01.2013

(dies ist der 3 Post, fuer die ersten beiden bitte nach unten scrollen, Fotos folgen)

Nach der Grenze fahren wir direkt nach Staint-Louis. Eine pulsierende kleine Stadt mit Zentrum auf einer Insel, die über die vom Herr Eifel erbaute Eisenbrücke erreicht wird. Viele koloniale Bauten, die teils aber schon recht verfallen sind. Wir sind überwältigt, es sind so viele Leute auf der Strasse, überall wird an kleinen Ständen Ware verkauft, wir sehen Früchte und Gemüse, Kleider, Handwerk, Musik läuft, es ist ein totaler Kontrast zu Mauretanien. Als erstes möchten wir ein Bier trinken und die Atmosphäre auf uns einwirken lassen, die Vibes spüren. Dabei schauen wir den Strassenkindern zu, wie sie mit einem aus Plastiksäcken zusammengeknüpften Ball spielen. Ein Plakat kündigt das heutige Konzert von Cheikh Lo an, wie könnten wir besser in den Senegal empfangen werden als mit Musik.

Foto der Strassenkindern

Die Vorgruppe ist Traditionelle Perkussion und Tanz dann Cheikh Lo, ein Urgestein im Westafrikanischen Reggea. Wir tanzen bis wir unsere müden Beine nicht mehr spüren.

Foto Cheik Lo

Am morgen schlendern wir noch etwas durch die Stadt und steigen dann für 30 Km zur Zebrabar in den Sattel. Das Campment Zebrabar wird von Schweizern geführt und befindet sich in einem Nationalpark an der Flussmündung vom Senegal. Hier wollen wir uns etwas ausruhen und unsere weitere Reiseroute besprechen. Zwischendurch lernt Peter Conny, auf dem vom Camp zur Verfügung gestellten Surfbrettern, Windsufen. Es klappt so halbwegs, macht aber riesig Spass und Peter ist seit unzähligen Jahren wieder einmal auf dem Surfbrett gestanden.

Foto von Peter am Surfen

Wir entschliessen uns Senegal zuerst Landeinwärts zu entdecken und wählen die Route Richtung Louga, Dara, Linguere, Ranerou, mit Abstecher über Velingara und Bem Bem. Zuerst fahren wir auf der Asphaltstrasse die Abschnittweise so schlecht ist, dass wir unsere Reaktion und Flinkheit beim umfahren der Schlaglöcher trainieren können. Zwischendurch, bei neueren Teilen, lässt sich die Aussicht aber geniessen. Verkehr gibt es fast keinen, ein paar Taxis, Lastwagen und nur sehr wenig private Wagen, uns ist das nur recht. Um zu schlafen verlassen wir die Strasse, fahren etwa 500m ins Land hinaus und richten unser Camp hinter ein paar Bäumen oder Büschen auf. Essen kaufen wir auf dem Markt in den Dörfern ein. Das Angebot ist gut und es ist Saison der Wassermelonen, für uns ein Segen während es heissen mittags eine kühlende Wassermelone zu essen.

Foto vom Wassermelonenessen

Irgendwann wird es auf dieser geraden Strasse langweilig und wir zweigen ab auf eine Piste die uns den Weg in Km abkürzen wird, jedoch nicht in Zeit...
Nun fahren wir auf Sandstrassen durch die Savannenartige Landschaft die hie und da durch einen grossen Baobab, das Nationale Symbol Senegals, unterbrochen wird. Wenn der Sand zu weich wird, weichen wir ins trockene Gras aus. Obwohl die Regensaison noch nicht so lange her ist, und es eine gute Nasse Saison war, fressen die Rinder, Geissen und Schafe trockenes Gras. Sobald wir in einem Dorf anhalten haben wir sogleich eine riesen Entourage von Wundernasen. Das sich in diese Gegend weisse verirren, passiert nicht sehr oft und mit dem Velo wahrscheinlich noch nie. Ueberall werden wir freudig gegrüsst, staunend studiert, angefasst. Einige kleine haben Angst vor Peter, rennen davon oder weinen wenn sie ihn sehen. Die Frauen der Ethnischen Gruppe Pole hier, sind unter den Unterlippen tätowiert und haben grosse schwere Ohrenringe in Gold und Rot. Sobald der Fotoapparat in Sicht ist, wollen alle Fotografiert werden. Es gibt kleinere und Grössere Dörfer, wobei die Familien ihre Hütten immer im Kreis haben und in der Mitte eine Feuerstelle ist. In Senegal, wie in den meissten Afrikanischen Ländern ist die Kinderzahl der Population sehr hoch. Hier sind 45% unter 15 Jahre alt. Eine Familie hat normalerweise 10 bis 15 Kinder, wobei nicht alle von der selben Frau sein müssen. Alle arbeiten mit, sei es auf dem Feld, beim hirten der Tiere, Wasser holen, kochen, Geschwister hüten.

Foto von Doerfern, Kindern

Die Abkürzung muss abgebrochen werden, als in Bem Bem keiner weiss wo das nächste Dorf ist, welches auf unserer Karte eingezeichnet ist. So fahren wir halt 2 Tage zurück zur Hauptstrasse und weiter von Ranerou nach Namari und südwärts nach Tambacounda wieder auf der Piste. Tagsüber wird es jetzt sehr heiss 45 C, so dass wir zwischen 13h und 15h im Schatten ruhen. In der Nach jedoch kühlt es ab bis 15 C und wir sind froh um unsere Schlafsäcke. Ist halt auch Winter hier. Irgendwo auf dieser Strecke feiern wir Weihnachten ganz für uns alleine, stossen mit einem Jägermeister auf und unsere Familie an und hören Musik während wir in die Sterne schauen.

Foto vom Weihnachtscamp

Kurz vor Jahreswechsel erreichen wir Tambacunda. Nach dem vielen Staub, der langen Zeit ohne richtige Dusche und dem vielen Velofahren, freuen wir uns auf etwas Ruhe und Sauberkeit. An Silvester gehen wir in die Bar für ein paar Bierchen und verbringen den Jahreswechsel romantisch in der Zweisamkeit. Erholt geht es weiter zum Nationalpark Niokolo Koba. Weil es da Löwen und Elefanten gibt, dürfen wir mit den Velos nicht rein. Also organisieren wir einen 4x4 und einen Guide für 2 Tage. Die Löwen und Elefanten sehen wir leider nicht, dafür diverse Wild arten, Affen, Krokodile, Hipos, Eberschweine, und Vögel.

Fotos Tiere Niokolokoba

 Kaitha unser Guide lädt uns nach der Tour im Park zu seiner Familie zum übernachten ein, danach fahren wir über ein anderes Velingara nach Kolda und stossen bei Sedhiou auf den Fluss Casamence der der Region südlich von Gambi seinen Namen gibt. Die Natur wird immer grüner, die Bäume immer grösser, es ist so schön nach der vielen Trockenen Landschaft seit Marokko. Mittags essen wir in den Dörfern einen Djebujim (Reis mit Fisch und Gemüse) oder Mafe (Reis mit Erdnusssause und Rindfleisch).

Foto von der kochenden Frau

Die Strasse zwischen Kolda und Ziguinchor ist bis jetzt die schlechteste die wir in Afrika angetroffen haben. Wir muessen sehr konzentriert den Loechern ausweichen und koennen nicht unsere gewohnte Geschwindigkeit fahren. Auch das Winken und Gruessen mussen wir einschraenken. Tubab, was soviel heisst wie weisse Haut, rufen uns alle zu um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Dann variert es zwischen Ca va?, donnez moi un cadeau, donnez moi un sac oder sogar donne moi le velo. Diese Rufe ignorieren wir einfach. Und mittlerweilen wissen wir was schwarze Haut auf Wolof heisst, dann sagen wir einfach, wie gehts schwarze Haut.

Am 11.01 fahren wir in Ziguinchor ein und werden herzlich von der Familie Tamba, der Schwester eines Freundes aus Wattenwil, empfangen. Was hier alles passiert, berichten wir bald.

Ein Sandsandwich zum Zmorge, Zmittag, Znacht 2.12. – 14.12.2012


Die Grenzformalitäten sind rasch erledigt, nach 2h befinden wir uns in Mauretanien. Ein Land von welchem viele denken es sei  Gefährlich zu bereisen, wir jedoch eine andere Erfahrung machen dürfen.  Dank des Fleisses von Maurizio Ceraldi, ein Velofahrer der letztes Jahr durch Afrika gestartet ist und ein minutiöses Roadbook über die Strecke West Sahara und Mauretanien geschrieben hat, wissen wir genau bei welchem Km wir uns verpflegen können, Wasser vorhanden ist, oder ein Gendarmerie posten steht. So entscheiden wir im ersten notierten Camp nach 25 Km zu nächtigen. Es ist schon am ein dunkeln als wir das Kaihma (Beduinenzelt) beziehen.

Foto vom kaihma

Plötzlich taucht ein Gendarme auf und erklärt uns, dass sie uns gesucht haben und nun zu unserer Sicherheit einen Checkpoint bei der Auberge aufstellen. Seid der Entführung mehrerer Touristen durch Extremisten vor 2 Jahren, setzt die Regierung alles auf die Sicherheit der Touristen. Alle 60-70 Km steht ein Checkpoint die miteinander kommunizieren, so ist wildes Campieren nicht möglich, aber wir dürfen  mehrere Male beim Checkpoint kostenlos im Zimmer schlafen.
Die Hauptstrassen sind, zu unseren Freuden, vor wenigen Jahren Asphaltiert worden, mit Muscheln, sowas habe ich noch nie gesehen, sieht richtig schön aus und fährt sich super. Den ersten Tag haben wir Gegenwind, dann dreht sich die Strasse zum Süden und der Wind kommt seitlich, was auch recht Anstrengend ist. Zum Glück sind wir zu dritt, so können wir formatiert fahren und uns an der Spitze abwechseln. Peter bekommt den Namen Pet the machine weil er steht’s vorfährt. Natürlich erfreuen wir uns auch über die Geschichten die uns Charlie aus seinem Leben erzählt und über die Tipps die er uns mit auf den Weg gibt. Abends spielen wir Karten, reden über Globale Probleme, über Musik und Geschichte. Eine schöne Abwechslung zu dritt unterwegs zu sein.
Foto zu dritt beim kartenspielen
Während des Tages beschäftigt uns vor allem der Wind und der Gedanke was wir wohl zum Nachtessen improvisieren werden. Niemand hätte sich gedacht, dass es auf der Hauptstrecke durch ein Land kaum Auswahl an anständigem Essen geben würde. Hier eine Idee des essbaren Sortimentes einer Boutique: Biskuits, Zucker, Biskuits, Tee, Kaffee, Biskuits, Sardinen, Spaghetti, Reis, Biskuits und wenn wir Glück haben gibt es sogar Brot. Gemüse und Früchte sind Luxusartikel und wenn verfügbar im Verhältnis sehr teuer und alt. Hingegen Biskuits gibt es “en mass” in allen Farben, Formen und Aromen die im Labor nur produziert werden können. Wie wenn Conny es erahnt hätte, hatte sie in Marokko noch das ein und andere eingekauft, so konnten wir während den 6 Tagen nach Nouakchott einigermassen anständig essen.
Foto von unterwegs
Mauretanien ist vor allem Wüste, eigentlich nicht sehr einladend zum Velofahren. Trotzdem fanden wir es faszinierend durch die Sandlandschaft zu fahren, ein Erlebnis welches wir noch nie zuvor hatten. Mal war das Land nur Sandig, dann Steinig und zwischendurch erheben sich geschmeidig weisse Sanddünen, über welche der Wind den feinen Sand elegant dem Kamm entlang bläst. Wir fahren an Salzseen vorbei, begegnen vielen Kamel Herden. Dörfer bestehen aus nicht mehr als 50 Baracken und Kaihmas, welche sich entlang der Strasse verteilen. Das Leben beschränkt sich auf einige Quadratmeter Privatsphäre. Zurückhaltend, aber sehr Gastfreundlich werden wir gegrüsst und wenn wir am Mittag ein Windschutz zum essen und ausruhen suchen, wird uns steht’s ein Platz angeboten. Vor allem während zwei Tagen wo der Wind und den Sand in alle mögliche Ritzen, Falten und Löcher bläst, sind wir froh um die mit Stoff ausgekleideten Holzhütten mit Wellblechdach. Beim Sandsturm flüchtet alles nach drinnen.
Foto vom Dorf
Dann fahren wir Nouakchott ein, dies ist die jüngste Hauptstadt in Afrika. Sie ist verhältnismässig ruhig und der Verkehr erträglich. Autos die wir schon lange auf den Schrotthaufen gebracht hätten, werden hier bis zum völligen Zerfall stets wieder zusammengeflickt. Fahrzeuge mit einer nicht kaputten Windschutzscheibe sind eine Rarität, den man kann ja auch ohne Windschutzscheibe fahren, oder?! Die Guten alten Esel und Wagen variante dominieren die Strassen in den Quartieren. Und leider ist auch hier das Abfallproblem nicht gelöst.
Wir richten uns in der Auberge Sahara ein, geniessen eine richtige Dusche und freuen uns auf ein Stück Fleisch zum Nachtessen.  Im Restaurant Mamafrica fallen uns die Augen fast aus dem Kopf als uns ein Teller der Grösse eines Velorades, gefüllt mit Salat, Tomaten, Gurken, Pommes und ein Gegrilltes Huhn vorgesetzt wird. Wir fühlen uns wie im Paradies und stürzen uns wie Raubtiere über seine Beute.

Tags darauf ist Reinigungstag. Kleider, Velos, Taschen werden wieder startklar gemacht. Conny versucht  herauszufinden warum ihr Internet nicht funktionieren will. Erfolglos resigniert sie und hofft auf einen Engel, der das Problem lösen kann.  (Er wird in Ziguinchor, Senegal  auf uns warten)
Am Montag will Conny das Visum für Senegal beantragen, es wir ihr jedoch verweigert, weil sie es in der Schweiz hätte beantragen müssen! Nach langem hin und her, der Ungewissheit ob wir überhaupt in den Senegal einreisen können, was wir sonst für Möglichkeiten hätten, Mali ist zu unsicher aufgrund der kürzlichen Entführungen. Schlussendlich schreibt sie einen Brief an den Herr Botschafter, mit der Erklärung ihrer Situation und der Bitte um ein Visum. Es funktioniert, die erste Hürde in der Afrikanischen Bürokratie oder Schickanikratie ist gewonnen. Charlie ist inzwischen alleine weitergefahren, da wir nicht wussten ob ich das Visum bekomme.

Unterwegs hatte Peters Pedale plötzlich zu reden begonnen. Geklickt und gequietscht, nicht sehr Erfreuliche Nachrichten. Nun, nachdem er sie geputzt und geölt hat, geht’s so halbwegs, aber wir haben sicherheitshalber ein Ersatzset gekauft. Für umgerechnet 4 CHF.  Nach 5 Tagen Nouakchott fahren wir weiter Richtung Grenze und begegnen schon am ersten Tag einem Französischen Velotourero namens Thoma. Er hat ein halbes Jahr Zeit und will bis Guinea Conakry fahren. So sind wir wieder zu dritt unterwegs.

Foto von Thoma und Peter

Je südlicher wir kommen, desto mehr hat es wieder  Baume. Kurz vor der Grenz biege wir auf eine Nebenstrasse Richtung Küste ab, die uns durch den Nationalpark Diawling führt. Hier Ruhen sich alljährlich Zugvögel auf ihrer langen Reise zum Norden oder umgekehrt aus. Wir sehen Pelikane, Flamingos, und einen Haufen andere Vögel die wir nicht kennen. Es wird auch vor Eberschweinen gewarnt, und tatsaechlich verschwinden 5 grosse Aersche, nur einige Meter von Peter entfernt,  ins Schilff. Sicherlich erschrocken über die weissen Haare dieses Aliens, bevorzugten sie zu flüchten.

Foto von Voegeln

Im letzten Dorf vor der Grenze, wollen wir übernachten. Weil es aber keine Herberge gibt, dürfen wir im Haus der Tochter vom Dörfchen schlafen. Die Grenzformalitäten verlaufen ziemlich flott. Vor uns steht ein Lastwagen mit 24 Leuten, die in 40 Wochen von London über die Westküste nach Kapstadt und über die Ostküste nach Cairo fahren. Oh jeah…

Nach der Grenze heissen uns die ersten Senegalesischen Souvenier Verkäufer willkommen und auch die Geldwechsler hoffen auf ein gutes Geschäft, vor allem mit jenen die den Kurs nicht kennen. Pech gehabt, wir wissen was wir bekommen.
Mauretanien haben wir in 12 Tagen und 716 Km durchfahren.

Die letzten Km in Marokko 13.11 - 1.12.2012

Hallo da sind wir wieder und immer top fit.
An dieser Stelle moechten wir allen noch ein gutes 2013 wuenschen, halt etwas verspaetet, aber es soll gelten. Und es ist schoen zu hoeren, dass unser Blog viel geschaetzt und gelesen wird.

Zur Zeit befinden wir uns in der Casamence in Senegal und ruhen uns in einem gemütlichen Campment in Diembering am Meer aus. Davor waren wir eine gute Woche lang in Ziguinchor bei der
Familie eines Freundes aus Wattenwil. Und da konnte mein Laptop neu programiert werden, die Viren hatten das Ding unbrauchbar gemacht. Nun, da unser letzter Eintrag weit zurück liegt, und wir so schnell wie möglich wieder up to date sein wollen, fassen wir etwas mehr zusammen.

Nach Essourira sind wir ein grosses Stück dem Meer entlang gefahren, was wir als Abwechslung nach den Bergen sehr schätzten. Peter konnte zwischendurch fischen und Conny vertiefte sich derweilen in Jimi Hendrix s leben. Für s Baden ist es leider etwas zu Kühl geworden. In der Gegend werden Arganbäume kultiviert. Aus dessen Früchten wird das hochwertige Oel gewonnen und zu diversen Produkten verarbeitet. Die Geissen lieben diese Früchte und klettern in die Bäume, was ein lustiges Bild ergiebt.
An einem Mittag eintscheiden wir uns ein Huhn zu kaufen und grillieren dies am Abend beim Sonnenuntergang. Es ist das beste Huhn aus mehreren Gründen; Hatten seid Frankreich kein Fleisch gegrillt, mussten 2h Holz zusammensuchen, weil um uns herum nur Fettpflanzen wachsen, geniessen es bei der tollsten Stimmung mit Blick auf die Bucht voller schön grosser Wellen und dem Sonnenuntergang.



Nach einigen Tagen fahrt erreichen wir Sidi Ifni wo wir die Küste verlassen und in Guelmim den Bus nach Dakhla besteigen. Von Dakhla aus gehts dann weiter richtung Mauretanische Grenze. Dank Rückenwind kommen wir so richtig gut voran. Mit Spitzen Durchschnitts Geschwindigkeit von 27Km/h schaffen wir 113,4 Km, so macht die Fahrt durch die karge West Sahara spass. Es ist flach und hat viel Sand, Gestein und Fettpflanzenbüsche.


Zu dieser Jahreszeit ist es angenehm warm, um 25°C und so ist es kein Problem, wenn wir kein Schatten finden in der Mittagspause, viel mehr um ein Sandfreies Essen zu kochen. Kurz vor der Grenze zu Mauretanien, bei der Bisquit Pause, holt uns Charlie auf seinem Velo ein. Der 50 jährige Britte ist schon seid 12 Jahren auf seinem Fahrrad unterwegs durch die ganze Welt und fährt aktuell vom Norwegischen Cap zum Cap in Südafrika. Klare Sache, dass wir gemeinsam weiterfahren. Am Nachmittag erreichen wir die Grenze und lassen Marokko nach 2 Monaten und 1825 gefahrenen Km hinter uns, das Gedächniss gefüllt mit vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen.

Dienstag, 18. Dezember 2012

sind im Senegal

Hallo zusammen, leider ist es uns zur zeit nicht moeglich neue updates zu machen. unser laptop ist voller viren und alle bisherigen versuche ihn zu reparieren sind fehlgeschlagen. fuer jeden hilfreichen tip sind wir dankbar.

Wir sind vor kurzem gesund und munter in senegal eingeradelt und werden die naechsten 3 Monate hier verbringen. Herzliche Gruesse Conny und Peter

Freitag, 23. November 2012

Marrakech und der Visarun nach Rabat 1.11. – 12.11.2012


Vor 15 Jahren hatte Verena eine gute Nase und hier ein Stück Land gekauft. Heute steht eine schöne, im Marokkanischen Styl gebaute Villa da, die uns aus dem Staunen nicht mehr herauslässt. Es ist noch nicht ganz fertig, drinnen wird bald noch gestrichen, der Garten mit Pool wird noch gemacht, aber wir fühlen uns wie König und Königin mit dem schönen Zimmer welches wir bewohnen dürfen.


Joussef, Verenas Mann macht uns die Pforte auf und Max der Hund begrüsst uns sogleich mit freudigem Gebell. Wir sind rechtzeitig zum Mittagessen eingetroffen und dürfen uns gleich zu Tisch setzen. Bis es dunkel ist kommen wir von da auch nicht mehr weg, zu viel gibt es zu Erzählen und wir werden grosszügig Verpflegt.


In der Nacht fängt Connys Darm wieder an zu rebellieren, sie kommt kaum zum Schlaf und fühlt sich am Morgen überhaupt nicht gut. Vielleicht waren die 500g Erdnüsse die wir während der Bussfahrt gegessen hatten nicht grad das Beste. Während Conny sich erholt, putzt Peter die Velos. Es bleibt ein ruhiger Tag, aber Conny will es nicht besser gehen. Da entscheiden Joussef und Peter gemeinsam nach Marrakech zu fahren und uns Frauen ruhen zu lassen. Joussef ist Marokkaner und spricht überraschend gut Schwiizerdütsch, hin und da hilft er sich mit französischen Wörtern aus, was ein lustiges durcheinander ergibt. Mit Peter ist es dann eher Schwiizerdütsch – Englisch durcheinander. Zurück aus Marrakech bringt Peter zwei supergeile Ledertaschen die er supergeil ermarktet hat. Am Abend kocht Peter zu aller Begeisterung Hacktätschli mit Nüdeli, auch Conny mag wieder ein wenig essen.


Dann ist die Zeit reif für Rabat, die Hauptstadt von Marokko. Hier wollten wir eigentlich nicht hin, müssen aber um das Visum für Mauretanien zu besorgen. Zuerst machen wir aber noch zwei Tage halt in Marrakech, Zentrum des Tourismus. Der Grosse Zauberplatz Jamel el fna in der Medina (Altstadt) ist Tagsüber Schauplatz für Cobra Tänze, Affen für Portraits mit Touristen und jeglicher anderer Art von Entertainment um den Leuten ein paar Dirham (Marokkanische Währung) aus der Tasche zu locken. Bei der grossen Moschee warten zig Kutscher mit ihrem Doppelgespann, umringt von Millionen von Fliegen auf eine Ausfahrt durch die Stadt. Am Abend verwandelt sich der Platz in einen riesigen Essmarkt und die Nachtgaukler spielen ihr Spiel umkreist von Schaulustigen. Der Geruch und die Töne von Marrakech sind einmalig. Man fühlt sich wie in einem Märchen aus 1001 Nacht.


In den Km langen engen Gassen, blinzelt das Sonnenlicht durch das Schlifdach. Die Souvenirläden, einen nach dem anderen verkaufen jede Art von Souvenir aus ganz Marokko. Ehy mister, come have a look inside, i make a good price for you. Where are you from – Chuchichäschtli, what is this – i tell you you have never seen before. Einen Tag in Marrakech braucht mehr Kondition, weder eine Woche auf dem Fahrrad.


Nach Rabat fahren wir mit dem Zug in 4h. Diese Zeit nützen wir um am Blog zu arbeiten. Rabat überrascht uns mit einem total neuen Bild, verglichen zu den bisher gesehenen Marokkanischen Städten. Die Hauptstadt hat einen schweren Europäischen touch, mit Hochhäusern und grossen Strassen. Als Ausländer ist man nur einen von vielen und wird in Ruhe gelassen. Es ist Dienstag und wir wollen das Visum anfragen, da müssen wir erfahren, dass ein Feiertag ist und die Botschaft geschlossen hat. Super, das und dass keiner zuvor gesagt hat! Janu, T.I.A. This is Africa, gehen wir halt ans Meer, ist ja auch schon lange her. Zum Baden ist es leider schon zu kühl, aber mit dem Buch in der Hand in der Sonne liegen und im Hintergrund das Wellenrollen hören, ist doch auch schon was.


Dann einen Spaziergang durch die Medina und am Abend den spannenden Match Real Madrid gegen Borusia Dortmund schauen, so schnell vergeht der Tag. Zweiter Anlauf auf die Botschaft. Obwohl noch zu früh, steht auch schon eine Schlange wartender Menschen vor der Tür. Wir bekommen zu Ohr, dass Frauen separat anstehen müssen, aber zuerst an die Reihe kommen und auch den Pass des Mannes abgeben dürfen. Was für eine paradoxe Welt, wo doch die Frau in Mauretanien kaum Rechte hat. Ein Glück für uns, die Sache ist in einer halben Stunde geregelt. Tags darauf können wir das Visum abholen. Es gilt ab dem 28.11.2012 einen Monat früher als wir angefragt hatten. Alles erklären wegen Velofahren usw hilft nichts, es bleiben uns noch 20 Tage plus minus, um in Mauretanien einzureisen. Uns ist gleich klar, dass wir durch die West Sahara einen Bus nehmen müssen.

Bei der Senegalesischen Botschaft, schicken sie uns nach Casablanca und als wir am drauffolgenden Tag dort ankommen, wird uns versichert, dass Conny ihr Visum erst in Nouakchott (Hauptstadt Mauretanien) beantragen muss. So steigen wir gleich wieder in den Zug und fahren zurück zu Verena. Hier erfahren wir, dass noch nicht alle unsere erwartete Post angekommen ist und das Wochenende steht vor der Tür. So verbringen wir halt noch etwas Zeit mit Verena und Joussef. Peter hilft ihre Küchenfenster schön zu Kitten, wir reden viel, machen ein wenig sightseeing aus dem Auto und verwöhnen uns Kulinarisch. Sina, die Katze hat den Narr an Connys Arm gefressen, ständig wir er von ihr attackiert. Am Sonntag werden wir von Joussefs Schwägerin zum bessten Couscous das wir bis jetzt gegessen hatten eingeladen.


Voller Hoffnung stehen wir am Montagmittag bei der Post. Jawohl das warten hat sich gelohnt, der Brief mit Peters Bankkarte, welche in Tanger vom Automaten verschluckt worden war, ist angekommen. Jetzt ist alles was wir wollten geregelt. Nur die Tage in Marokko werde immer weniger. Also buchen wir den Bus für nach Essaouira, welches an der Küste liegt. Von da aus fahren wir einige Tage entlang der Küste, hoffen auf Baden und Peter aufs fischen.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei Verena und Joussef für die Gastfreundschaft bedanken. Wir sind sehr froh so gut aufgenommen worden zu sein in Eurem wunderschönen zuhause. Bestimmt werden wir uns irgendwann mal wieder sehen.

Mittwoch, 14. November 2012

Den Atlas in den Beinen 21.10 – 31.10.2012


Das schlechte Wetter, dass uns nun seid drei Tagen aufhält, ist vorbei. Die Sonne lacht uns ins Gesicht und läst die schneebedeckten Berge kitschig glitzern, als wir aus Tounfite herausfahren. Freudig trampen wir durch die Hügelige Landschaft und fahren dann, dem Fluss entlang durch eine Schlucht. Das Wasser der letzten Tage hat seine Spuren hinterlassen, hier und da einen Erdrutsch, mal ein bisschen, mal mehr Wasser auf der Strasse. Obwohl welche Strasse?


Aller Anstrengung zum Trotz, die Landschaft ist Grossartig wir geniessen es. In den kleineren Dörfer werden die Kinder aggressiver und es kommt auch vor, dass sie uns Steine nachwerfen wenn wir nicht auf ihre Bitten um Geld oder Stylo eingehen. Sie springen uns hinten rauf, ziehen an den Taschen und klauen Conny’s Schweizerfahne und unsere Wassersäcke! Letzteres trifft uns sehr! Die niedlichen Kinder – wir mögen sie nicht.


Das Leben hier in den Bergen ist hart und wild. Bauern haben grüne Felder die von Hand bearbeitet werden, jedoch im Winter nicht bewirtschaftet werden können. Die durchschnittlich 10 Kinder pro Familie müssen bei der Arbeit mithelfen, damit es genügend Essen für alle gibt. Viele der Kinder gehen sobald sie älter sind in die Stadt und versuchen durch allerlei kleine Arbeiten etwas Geld zu verdienen. Wir campen etwas abseits der Strasse hinter einem Hügel. Bis Imilchil, dem nächst grösseren Ort sind wir zwei Tage unterwegs. Es geht hoch auf 2276 MüM und wieder runter auf 1823, da wo Wasser fliesst ist es super grün, die Birken leuchten in ihrem herbstlichen gelb und die Erde ist ocker bis rot in schönen Mustern.


Wieder hoch auf 2409 MüM wachsen Büsche mit stachligen Blättern, im Hintergrund die Schneebedeckten Berge umrahmt von azur blauem Himmel. Auf all die Passhöhen folgen rasante Abfahrten zurück in die bewirtschafteten Täler, zurück zu den Lehmhäuser Dörfer die von weitem kaum auszumachen sind. Unterwegs treffen wir noch auf zwei Spanische Velotouristen, sie sind für 3 Wochen vorwiegend im Atlas unterwegs.



Imilchil liegt im Herzen des Hohen Atlas zwischen zwei kleinen Seeen Tislit und Isli, was soviel heisst wie Braut und Bräutigam. Hier wird im Sommer viel geheiratet. Nach acht Tagen Velofahren machen wir hier einen Tag Pause. Da ausserhalb der Saison, sind wir die einzigen Gäste im Hotel von Mohammed und er hat alle Zeit mit Peter über Gott und die Sonne zu reden. Er hat zwar ein Hotel hier, ist aber hauptsächlich mit Solarenergieprojekten beschäftigt. Sein Büro ist in Marrakech. Momentan liegt ein Programm bei der Regierung vor, bei welchem er grosse Hoffnung hat weiter zu kommen. Während dem Gespräch bietet er Peter selbst einen Job an, darüber wird Peter noch lange nachdenken. Am Abend essen wir zusammen mit Mohammed seine herrliche Hühner Tajin und reden noch lange, bis uns fast die Augen zufallen. Tags darauf fährt Mohammed zu seiner Familie nach Marrakech, er muss seiner Frau ein Schaf bringen denn die nächsten drei Tage ist Fest in ganz Marokko. Jeder Mann schenkt seine Frau ein Schaf, am ersten Tag wir es getötet und gefeiert, am zweiten wird gefeiert und am dritten wird das Schaf gegessen und gefeiert. Diese Tradition bringt die ganze Familie zusammen, egal wie weit sie von einander weg sind. Läden und Restaurant schliessen für mehrere Tage, nicht sehr ideal für uns zwei. Nach diesem Ruhetag nehmen wir den letzten grossen Pass vor der Dadés Schlucht in angriff. Aber zuerst noch einen gemütlichen Tag nach Agoudal. Am Mittag kochen wir Spaghetti Al-arabiata, darauf hatten wir schon lange grosse Lust. Auch in Agoudal quartieren wir uns in eine authentische Herberge ein. Auf diesen Höhen, 2400 MüM, wird es schon ziemlich Kalt und wir brauchen noch etwas Ruhe vor dem Sturm.


Wir steigen früh in die Pedalen und verlassen das Dorf am Tag des Festes richtung Berge. Heutiges Ziel den Pass auf 2917 MüM zu bezwingen. Das Wetter ist wunderschön, doch der Schein trügt. Ein Wind weht uns direkt ins Gesicht. Zuerst nehmen wir es gelassen und trampen tapfer auf der Piste durch die atemberaubende Landschaft. Doch die stetig steigende Strasse und der stetig stärkere Gegenwind, lässt uns kaum vorankommen. Mit 4 Km/h kämpfen wir uns vorwärts. Manchmal müssen wir das Velo stossen obwohl die Strasse nicht zu steil zum fahren wäre. Auch wenn wir stillstehen pustet uns der Wind fast um. Wir werden auf die Probe gestellt, unsere Kraft und unser Geist werden aufs härteste getestet. Jeder kämpft im Stillen für und mit sich alleine. Dann plötzlich sind wir oben und eine Aussicht empfängt uns und lässt uns zu Boden sinken. Wir sitzen ruhig und geniessen das Panorama, das aufgrund der Anstrengung noch magischer auf uns wirkt.



Von nun an dürfen wir 15 Km runter fahren. Zuerst langsam dem Hang entlang, dann im Zick Zack zum Tal hinunter. Unterwegs begegnen wir einer Gruppe Steinböcken, Peter packt seine Kamera und schleicht sich etwas näher. Noch immer bläst der starke Wind, und obwohl die Sonne scheint ist es kalt. Dieser Abenteuerliche Tag wird in die Geschichte eingehen und endet in der Herberge eines Berber Bergbauern im Dörflein Tilmi. 


Nach Tilmi erleben wir die Sedimentablagerungen die diese Landschaft prägt von unten. Wir folgen dem Fluss Dadés und sehen ihn mal von ganz nah, dann wieder von etwas höher. Bis wir zur dieser Bekannten Schlucht des Dadés kommen. Voilà


Ca. 200 m lang ist diese Verengung dann ist der Spuck auch wieder vorbei. Warum deswegen so ein Hipe darum gemacht wird, können wir nicht verstehen. Der Weg hierhin war viel spektakulärer. Etwas weiter erblicken wir die ersten Kasbahs (Herrenhäuser Burgähnlich mit vier Türmen) Und noch etwas weiter tauchen spektakuläre Felsformationen auf. Völlig Unterschiedlich zum bekannten Bild ragen runde, Boulder ähnliche Felsen hervor. Ein kurzes Backflash nach Neuseeland zu den Moeraki Boulders erscheint vor unseren Augen. Wie in Gottes Namen sind die wohl entstanden??? Wir lieben die Natur!


Es sind nur noch wenige Km bis Boumane du Dadés, die Provinzhauptstadt. Obwohl schon lange unterwegs, pedalen wir weiter. Bis jetzt haben wir vom Schaffest nicht viel mitbekommen, nur die schön angezogenen Leute überall in den Dörfern fielen auf. Doch jetzt wird es prekär, ein einziges Restaurant hat geöffnet und es ist sogleich auch eines der zwei einzigen Hotels im Städtchen, also nehmen wir hier ein Zimmer. Das Angebot fürs Nachtessen beschränkt sich auch auf Omeletten oder Tajin, that’s it. Am morgen ist das Kaffee noch nicht offen, also gehen wir auf die Dachterrasse und kochen uns den Kaffee halt selber. Als der Kaffee getrunken ist, bewegt sich unten auch was und wir können Frühstück essen. Von Boumane nach Ouarzazate ist es plus minus 100 Km auf der Fläche. Den Atlas haben wir nun hinter uns gelassen. Die Landschaft wird wieder monotoner, leicht hügelig, jedoch nun mit Palmen die uns andeuten der Wüste näher zu kommen, und der Verkehr hat auch zugenommen. Das Wetter ist durchzogen. Das zweite und letzte Camp für eine Weile finden wir am Ufer vom Stausee einige Km vor Ouarzazat.


Als erstes telefonieren wir mit Verena, Sie ist eine Freundin von der Mutter einer Kollegin von Conny, zu welcher wir Post aus der Schweiz schicken lassen durften. Drausgekommen? Egal, jedenfalls ist Verena eine Thunerin und wohnt 16 Km vor Marrakech. Da lassen wir uns am nächsten Tag mit dem Bus hinfahren. Wir kaufen die Busstickets, nehmen ein Hotelzimmer und füllen unsere hungrigen Bäuche mit Marokkanischer Pizza. Mal was anderes. Dann besichtigen wir die Stadt ein wenig bis es dunkel wird.


Der Bus fährt um 9h und wir werden um 8.30h für Gepäckannahme erwartet. Eigentlich wollten wir um 7h aufstehen, aber weil Conny nicht an die Schweizer Zeit (bei Sommerzeit +2h zur Marokkanischer Zeit) auf ihrem Händy - unserem Wecker gedacht hat, stehen wir um 5.20h ausserhalb vom Hotel und fragen uns erstaunt warum es noch dunkel ist!!!! Wir beschliessen einen Kaffe auf dem leeren Marktplatz zu kochen und warten bis die Sonne aufgeht. Unter Aufsicht von Peter’s kontrollierenden Augen werden die Räder im Bus verstaut. Mit 30 min Verspätung fahren wir los. Die Strecke führt noch einmal über den Hohen Atlas, nicht mehr ganz so hoch wie auch schon, aber wir sind froh werden wir dieses Mal gefahren. Das Wetter ist nicht sehr gut, es ist nass und immer wieder regnet es. Für was der Bus in 4h macht, bräuchten wir sicherlich 5-7 Tage. In Chouiter lässt uns der Chauffeur aussteigen und wir melden Verena, dass wir angekommen sind.


Montag, 5. November 2012

Sonne, Wolken, Wind, Regen, Schnee und noch mehr 14.10. – 20.10.12


Wir fahren südlich, mit dem Ziel in zwei Wochen die Gorge du Dadés zu durchfahren.
Eine lange gerade Strasse führt uns bei nicht all zu schönem Wetter und gegen den Wind aus der Stadt Fes, Richtung Imouzzer. Unterwegs essen wir bei einer Tankstelle das teuerste Essen bis jetzt in Marokko, dass war sogleich auch das letzte Tankstellenessen. Danach kommt die Steigung Richtung Mittleren Atlas und wir sind froh, dass sich die Vorhersage eines Rennvelofahrers in Fes, die Steigung sei 15% - 18%, nicht bewahrheitet.
Kurz bevor wir im Dorf einfahren ruft Conny Peter zu; Ich habe einen Platten im Hinerrad!!! Es ist der erste seit unserer Abfahrt in Bassersdorf. Der Flick sitzt und wir fahren in Imouzzer ein wo es auf dem Dorfplatz nur so von Leuten wimmelt. Es wird schon langsam dunkel, und die ungewohnte Kühle hilft bei der Entscheidung hier ein Hotelzimmer zu nehmen. Der Wirt freut sich über unser Besuch, umsorgt uns mit allerlei Informationen was man um sein Dorf herum alles sehen kann und erklärt uns auch, dass der Menschenauflauf wegen des Schafmarktes sei, der heute stattgefunden hatte. Wir gehen raus, essen ein halbes Schaf- äh Huhn mit Pommes, Reis, Linsen und jawohl eureka, hier haben sie Mayonnaise für Peter. Er ist der glücklichste Mensch. Später trinken wir noch einen Tee im Hotel und schlafen herrlich durch die kalte Nacht. Es soll nicht die letzte gewesen sein…

Ifran wird die kleine Schweiz in Marokko genannt, da fahren wir heute durch. Unterwegs treffen wir auf einen Rennradfahrer der uns zu sich in Ifran zum übernachten einlädt. Da es aber noch früh ist und wir weiterfahren wollen, schlagen wir dieses Angebot ab. Im Moment wo wir uns verabschieden und er weiterfährt, bereuen wir nein gesagt zu haben. Wir fragen uns warum wir das Angebot nicht angenommen haben. Wird sicher seinen Sinn haben, wir werden es aber nie erfahren.
Kurz vor Ifran ruft uns ein Mädchen zu sich. Sie ist mit ihrer Mutter die Decken im Bach am waschen. Conny wird auch gleich in die Frauenarbeit miteinbezogen und hilfsbereit wie sie ist, stampft sie die Decken im Seifenwasser sauber.


In Ifran, wo auch der König ein Domizil hat, werden wir von breiten sauberen Strassen mit schönen Strassenlaternen und europäisch geprägten Häusern empfangen. Wir finden daran nichts typisch schweizerisches aber definitiv nicht marokkanisch. Im Laden finden wir zu Peters Freude Erdnussbutter, fahren dann aber weiter um ausserhalb in einem Zederwald Mittagspause zu machen. Das Wetter ist wieder sonnig aber etwas kühler weil wir auf 1800 MüM fahren. Plötzlich fahren wir am Haus des Skiclubs von Ifran vorbei, und einige Km weiter erspähen wir tatsächlich eine Piste. Jawohl eine Skipiste, riesig! Wir stellen uns vor wie hier die marokkanische Elite für den Weltcup trainiert. Recht amüsant.



Etwas weiter stellen wir das Zelt auf einer Ebene auf. Es dauert nicht lange und zwei Hirten kommen auf ihren Eseln daher um zu schauen was wir da tun. Der eine fragt ob das Zelt auch dicht sei wenn es regne, Peter versichert ihm dass das so sei und bläst die Luftmatratzen auf. Er ist begeistert und hat einen riesigen Smile auf dem Gesicht. Der andere will Conny beim Feuermachen im Hobokocher helfen, er will aber viel zu viel Holz rein tun, da zündet Conny das Feuer und stellt die Wasserpfanne drauf. Kopf nickend wird gestaunt und zufrieden informiert zu sein, verabschieden sich die beiden denn die Schafe ziehen ohne sie heimwärts. Wir trinken Chai-Tee und essen unser Brot mit La Vache qui rie, Nutella und dem neu erworbenen Erdnussbutter und kuscheln uns in die warmen Schlafsäcke. Es ist 19h, schon dunkel und noch 14°C warm/kalt.


Wir lassen die Zederwälder hinter uns und fahren durch eine total kahle, Mondlandschaft ähnliche Ebenen. Zum Znüni einen Apfel und Biskuits. Im nächsten Dorf kaufen wir Gemüse, Brot, Erdnüsse und werden von allen Seiten neugierig angeschaut. Die Kinder bestaunen unsere Velos, wollen ein Bonbon, einen Stylo oder irgendwas was sie auf dem Velo sehen. Etwas weiter essen wir Mittag und fahren am Nachmittag stetig steigend in den mittleren Atlas. Auf der Strasse werden wir teilweise von unglaublich vollbeladenen Fahrzeugen überholt, mit Möbeln, Stroh, Gasflaschen, Gepäck und Leuten, Hauptsache möglichst voll.



Obwohl wir uns Mittlerweilen auf 2100 MüM befinden, fühlt es sich nicht an als währen wir in den Bergen. Es ist etwas kühler und immer noch karg, die Berge sind aber eher Hügel. Bäume hat es wenig, viel wurde geholzt, vereinzelte Baumstrünke sind stille Zeugen einer viel grüneren Zeit. Die Schafherden werden farblich eins mit dem Boden und sind nur auszumachen, wenn sie sich bewegen.


In einer langen Abfahrt lassen wir die Erhöhungen des Mittleren Atlas hinter uns und erreichen die Ebene zwischen den beiden Gebirgsketten. Es windet sehr stark und leider entgegen unserer Fahrtrichtung. Im Windschatten einer Mauer essen wir Mittag, ruhen uns aus. Da kommt ein Traktor um die Ecke und der Bauer darauf wollte kurz nachsehen kommen ob bei uns alles in Ordnung sei. Ein kleiner Schwatz und eine Einladung zu sich nach Hause. Auch dieser Marokkaner, obwohl kaum Französisch Kenntnis, sehr Gastfreundlich. Er warnt uns noch vor dem Regen der kommen soll und dann fahren wir weiter, gegen den Wind. Auf einen windigen Tag folgt eine windige Nacht im Zelt etwas abseits der Strasse.



Der Morgen beginnt noch freundlich. In Boumia kaufen wir die nötigen Lebensmittel ein und nach Boumia fängt die Scheisse an. Es beginnt zu regnen, ja dagegen kann man sich ja noch schützen. Wir haben gute Regenkleider, aber die Temperatur fällt nah dis nah auf 5°C. Vor allem Hände und Füssen, letztere noch immer in den Sandalen, werden langsam taub. Dies halten wir noch knapp zwei Stunden durch und halten dann, Schutz suchend bei einem Bauernhof an. Fatima und Achmed winken uns in die Scheune um die Räder hinzustellen, lassen uns umziehen und rufen uns dann zum Tee. Eingehüllt in Decken, auf Schaffellen sitzend und mit heissem Tee in den Händen, sind wir wieder die Glücklichsten Menschen auf Erden. Auch im Raum sitzt die + / - 60 Jahre alte Fatma, auf ihren Händen und im Gesicht ist sie mit Tätowierungen verziert. Sie erzählt und berichtet, doch wir verstehen natürlich kein Wort davon. Dann werden wir ins Sofa-Zimmer gebeten, Essen ist aufgedeckt. Kurz zur Erklärung, das Sofa-Zimmer ist der grösste Raum im Haus, mit rundherum Sofa und in der Mitte einige Tische, ein Bild von Mekka und eines des Königs. Es gibt Brot, Konfitüre, Butter, Spiegeleier, Olivenöl und Tee. Wir steuern noch zwei Pack von unseren Biskuits bei. Sehr zu Freuden der beiden Kindern Latifa 2 Jh und Sawa 4 Jh. Nun sitzen wir alle beieinander, mit Händen und Füssen erklären wir unsere Namen, von wo wir kommen und das wir verheiratet sind und 2 Kinder haben. Da kommt uns das Foto das Peter in seinem Portmonnaie hat, von den Kindern von eines Freundes aus Holland, grad recht. Wenn man hier 40 Jahre alt ist und noch keinen Kinder hat, ist man eine arme Sau!
Als alle Bäuche gefüllt sind, geht’s zurück zur Tagesordnung. Achmed muss die Lämmer Füttern, Fatima lässt das Kalb zu ihrer einzigen Kuh und melkt grad noch 1Lt Milch für Eigengebrauch. Das Haus, aus Erde, Stroh und Holz gebaut bietet Schutz für Mensch und Tier. Fatima und ihr Mann haben gut 70 Schafe und Geissen die am morgen vom Hirten fürs Grasen auf dem Land abgeholt werden und am Abend zurück gebracht werden. Hühner, Truthähne  Hunde und Katzen. Sie haben Elektrizität, das Wasser kommt aber vom Regentank neben dem Haus. In der Küche steht eine Gasplatte mit 3 Rechauds, ein Ablage mit Keramischen Platten belegt und ein kleiner Waschtrog. Am Boden hat es auch einen Wasserablauf, denn gewaschen wird im grossen Plastikbecken am Boden. Dann hat es noch einen Schrank fürs Geschirr. Neben der Küche ist der Aufenthaltsraum, mit Schafffellen und Kissen am Boden und Fernseher. Es ist angenehm warm, durch die Kocherei nebenan, hier wird gewohnt, gegessen und geschlafen. Während Fatima und Achmed ihren Arbeiten nachgehen, zeichnen und spielen wir mit Sawa. Dann wird ein Huhn fürs Nachtessen gerupft, Conny hilft beim Gemüse schälen, der Fernseher geht an und während wir vorzüglich mit Händen aus einem Teller dinieren, unterhalten wir uns, natürlich mit Händen und Füssen. Es ist total relaxt und immer wieder sehr lustig, ein super Erlebnis. Gegen 23h ist es Zeit zum schlafen, während Conny Fatima versucht zu erklären, dass wir Schlafsäcke haben und sie sich keine Mühe machen soll, sucht diese 2 Matratzen und Wolldecken zusammen und meint es sei kalt in der Nacht. So muss sie unseren Schlafsack ausprobieren, was wieder zu lustigen Szenen führt. Nicht ganz überzogen, lässt sie die Decken bei uns und wir schlafen herrlich durch die Nacht.
Am Morgen ist der Himmel noch immer dunkel, aber es regnet nicht mehr. Wir frühstücken und verabschieden uns dann herzlich und Dankbar für die tolle Gastfreundschaft.

Nach 1.5 Tagen auf dem Plateau, schlängelt sich die Strasse nun wieder in die Hügel. Ab und zu erspähen wir die Schneebedecken Bergspitzen durch die Wolken. Am Nachmittag erreichen wir ohne grosse Mühe und zum glück ohne Regen den Ort Tounfite.


Lust auf Tee? Klar doch, im Cafe beim gut englisch sprechenden Lamal wärmen wir uns die Hände und beobachten das Geschehen auf dem Platz. Als wir mit der Absicht weiter zu fahren aufsteigen, kommt Mohamed und ändert unsere Pläne. Er ist Lehrer im Dorf und meint wir sollen die Nacht bei ihm bleiben, denn die Strassen und das Wetter seien noch zu ungünstig. Gesagt getan, wir gesellen uns zurück in Kaffe und schauen mit Mohamed und seinen Freunden den Fussballmatch. Danach führt er uns zu sich nach hause. Seine Frau Rabia tischt Gemüsetajin auf, wir erzählen unsere Geschichte, hören ihrer zu und da es Samstag ist, wird am Nachmittag Fussball gespielt. Peter möchte gerne mitspielen und bekommt von Mohamed ein paar Schuhe und den Übernamen Peter Schmeigel, wegen der blonden Haaren. Mit dem Auto durchs Dorf werden die Spieler zusammen gepflückt. Ein grosser Rasen zwischen den beiden Dorfteilen ist die Bühne für die sportliche Freizeit. Sie sind stolz auf ihren Naturrasen. Marokkanisches Fussball braucht Nerven, nach 10 min spielen hat Peter herausgefunden wo die Grenze des Spielfeldes ist und nach weiteren 10 min wer zu seinem Team gehört.


Conny schaut dem Treiben amüsiert zu und friert sich dabei den Arsch ab. Eine Traube Jungen haben sich um sie herum versammelt und stellen allerlei Fragen. Natürlich will jeder Mal mit dieser komischen Frau in Hosen und mit kurzen Haaren reden. Gut zwei Stunden wird gespielt, das Team von Peter gewinnt mit 6 zu 2. Jetzt tun ihm die anderen Muskeln weh, die die beim Velofahren nicht gebaucht werden. Zurück zu hause wird die Dusche eingefeuert und wir dürfen herrlich heiss duschen, was für einen Genuss bei der Kälte draussen. Dann kommt Mohamed’s Schwester rüber – sie wohnt gleich nebenan – und es gibt Tee. Sie ist eine von wenigen Frauen die französisch spricht. Zusammen mit Ihr geht Conny zur Gendarmerie um uns einschreiben zu lassen. Die Männer verschwinden ins Kaffee um zur Abwechslung Fussball zu schauen, Barcelona gegen Celsea, auch ein torreicher Match. Dazu wird viel Milchkaffee getrunken und geraucht. Zwischenzeitlich ist Conny zurück bei den Frauen im Haus. Sie haben Henna gemacht und jetzt werden die Hände verziert. Es ist schon spät als die Männer zurückkommen, Rabia bringt eine riesige Schale Couscous mit Poulet und Gemüse zum Sofazimmer welche von acht Händen fast lehr gegessen wird. Danach fallen wir müde ins Bett. Am morgen lacht uns die Sonne ins Gesicht, wir freuen uns sehr auf diese Wetterbesserung. Conny wird zum Abschied mit einem Kaftan beschenkt und bei Rabia fliessen Abschiedstränen. Wir tauschen Adressen und versichern beim nächsten Marokkobesuch vorbei zu kommen.