Mittwoch, 16. April 2014

Farbenfrohe Unterwasserwelt



Zanzibar und Pemba 2.04. – 14.04.2014

Zanzibar hat eine lange prägende Geschichte und  ist ein Mix aus arabischem, indischem und europäischem Einfluss, welcher nicht nur in der Architektur Stonetown‘s, sondern auch in den exotischen Gesichtern der Einheimischen zu sehen ist. Die engen Gassen und die wunderschönen mit Schnitzereien geschmückten Holztüren, erinnern mich enorm an die Medina in Fes oder Marrakech, Marokko. Kaum ein Fuss auf Land, schon versuchen zig Vermittler, wir nannten sie damals Hunde, einem ein Guesthouse unter zu jubeln. Gut hab ich das Fahrrad, so fahr ich allen einfach davon und lasse mich von meinem Glück durch das Gassen Labyrinth weisen. Als ich ein für mich geeignetes Plätzchen für die nächsten drei Nächte gefunden habe, weiss ich natürlich überhaupt nicht mehr wo in dieser Stadt ich mich befinde. Es wird aber nicht das letzte Mal sein, das ich mich verirre.


Die Souvenirjagt, auf die ich mich schon lange gefreut habe, verleidet bald. Ein Laden reiht sich nach dem anderen, alle bieten dieselbe Wahre an und jeder versucht mich zu sich herein zu locken. Die  Nebensaison ist echt zu spüren. Ich flüchte zum Strand und spaziere im weissen Sand durch das kristallklare Wasser. Dann verschlägt es mich in eine Galerie wo ich den Künstler Omar King kennenlerne. Nun hab ich meinen persönlichen Guide, der mich kostenlos durch die Gassen manövriert. Am zweiten Tag mache ich eine Velotour. Unterwegs lasse ich mir die Verschiedenen Gewürze die auf der Insel wachsen zeigen. 8 von 10 erkenne ich am Geruch oder Geschmack und am eindrücklichsten fand ich den Zimtbaum, von dem die Blätter, die Rinde und die Wurzel verarbeitet wird. Zu Recht wird der Zimt die Königin der Gewürze genannt. König ist der Ingwer weil er Potenzsteigernd sein soll.


Weiter gefällt mir die Insel sehr gut. Teils bewaldet, teils durch Reisfelder führt mich die Strasse auf die Ostseite von Zanzibar. Hier wollte ich eine Pause machen und im Meer schwimmen gehen, aber die Ebbe war weit aussen und das Ufer sehr flach. Wenn auch immer ich halte um frische Kokosnuss zu trinken und essen, ist mein Fahrrad das Objekt im Fokus. Weil als Hauptverkehrsmittel fast jeder ein Fahrrad hat, scharen sich die Leute um uns und diskutieren über die Details.



Zurück in Stonetown, treffe ich mich mit Omar zum Nachtessen. Leider muss ich dabei den falschen Fisch ausgesucht haben, denn in der Nacht beginnt das Fiasko, dass mich noch lange begleiten wird. Geschwächt vom Durchfall und Erbrechen verbringe ich den ganzen Samstag im Bett. Erst spät, zwinge ich mich raus um etwas Energie in Form von Pasta zu mir zu nehmen. Im Jazzlokal, wo ich mich mit dem Sonnenuntergang von meiner Übelkeit ablenken will, spricht mich Rahim an und leistet mir aufmunternde Gesellschaft. Er ist Grafikdesigner und Fotograph und ein sehr interessanter Gesprächspartner. Also ich zurück zu Hotel gehe, fühle ich mich auch etwas besser.


Mit der grossen Fähre setzte ich nach Pemba über, die kleinere weniger besuchte, etwas hügelige und sehr bewaldete Schwesterinsel von Zanzibar. Die Einheimischen sind unglaublich freundlich und hell begeistert wenn sie mich sehen. Auffallend schön sind die Frauen und Kinder hier. Dicke schwarze Wolken empfangen mich, es ist feucht und heiss. Schon nach der ersten Steigung bin ich in schweiss gebadet. 



Von Mkoani wo die Fähre ankert, muss ich ganz in den Norden hoch fahren. Ich gönne mir zum Abschluss meiner Reise eine Woche Strandferien und mache das Tauch Brevet bei www.swahilidivers.com Peter Gostelow von Mwanza hatte mir diesen Geheimtipp verraten und mich mit dem Besitzer Raf in Verbindung gesetzt. Weil ich der einzige Gast bin, bekomme ich Privatunterricht von Beltran meinem Spanischen Tauchlehrer. Etw. Theorie und dann geht’s schon ab ins Meer. Ich bin anfänglich etwas überfordert mit der Auftriebssicherung. Entweder treibt es mich hoch, oder ich sinke auf den Grund, dabei will ich auf keinen Fall die Korallen und Anemonen beschädigen! Ich kann die bezaubernde Unterwasserwelt nur bedingt geniessen. Zu meinem Erstaunen lobt mich Beltran nach dem ersten Tauchgang, ich hätte alles super gemacht. Ok...
Mit den weiteren Tagen gewinne ich an Sicherheit und schlussendlich fühle ich mich Fisch-Vögeli-Wohl unter Wasser. Beltran zeigt mir immer wieder kleine farbige Sensationen, Meeresschnecken, Krebse, ein Skorpion Fisch, Skelett Fisch, Schmetterling Fische, Drücker Fische, Trompeten Fische, Box Fische, Napoleon Fische, Rotfeuer Fische, viele viele mehr und natürlich Nemos und Doris.

Leider hab ich keine Bilder von den Fischen....

Nicht ganz so gut geht’s mit meinem Magen. Immer wieder plagen mich Krämpfe und ich muss meine Diät auf Reis und Brot reduzieren. Rechtzeitig zu meinem Geburtstag bestehe ich den NAUI Open Water Kurs. Auch der extra für mich gebackene Schoggikuchen bleibt meinem Magen lieb, oder vielleicht lag es am Schnaps danach…. Wie auch immer, ich bin Überglücklich, hatte einen fantastischen Geburtstag und das Tauchen macht enorm viel Spass. 



Leider geht alles schöne viel zu schnell vorüber und ich muss mich verabschieden. Ich radle zurück nach Mkoani, übernachte und nehm die Morgenfähre nach Zanzibar. Da angekommen, krieg ich kein Ticket für die letzte Fähre nach Dar mehr und muss somit noch eine Nacht in Stonetown verbringen. Geschehe nichts schlimmeres, ich ruf Rahim an, wir gehen indisch essen und verbringen einen lustigen Abend zusammen.


Donnerstag, 10. April 2014

Gefühle der Freiheit für die ich lebe



Arusha – Dar es Salaam 16.03. – 2.04.2014

Während meines Aufenthaltes in Arusha hat es ziemlich geregnet und als ich mit Shasha zur Schule radelte, durfte ich die klebrig rutschige, rote Erde das erste Mal erleben. Sogar das Fahren ohne Gepäck war an gewissen Stellen unmöglich. Meine Route um den Kilimanjaro, führt mehrheitlich über Naturstrassen und somit war ich extrem froh um das Schönwetterfenster. Am ersten Tag versteckt sich der mächtige Berg in dicken Wolken. Auch am Morgen dasselbe Bild und ich kämpfe gegen den Wind durch die schöne Landschaft des Massai Landes. Immer wieder fahre ich durch kleine Massai Dörfer. Die stolzen, gross gewachsenen Massai in ihren hauptsächlich roten und blauen Tüchern gewickelt, geschmückt mit Krällchenketten und Silberringen wirken authentisch. Sie hüten ihre Herden oder kehren das Acker von Hand, wenn ich vorbeifahre wird innegehalten, dann gelacht und gewunken. Hier spricht kaum jemand English. Das sind die Momente in meiner Reise, die ich am meisten geniesse, wofür ich Reise. Sie erfüllen mich mit tiefer Zufriedenheit, Glück und Freiheit.


Gegen Abend wird es zum Gegenwind noch hügelig, ich komme sehr langsam voran und bin froh, als ich in einem etwas grösseren Dorf ein Guesthouse finde. Der Berg hat erbarmen mit mir und schenkt mir eine kurze Sicht auf sein verschneites Haupt. Nach einer afrikanischen Dusche, Kessel Wasser und Schöpfbecher, esse ich einmal mehr Reis mit Bohnen im Licht der untergehenden Sonne. Am Morgen des dritten Tages darf ich Kilis volle Pracht bestaunen.


Ich bin happy, auch weil ich heute dem Wind den Rücken zudrehe und er mich auf meiner Fahrt unterstützen kann. So sind die gestrigen Strapazen vergeben und vergessen. Auf Empfehlung von Peter Gostelow fahre ich zum Lake Chala und campiere für verhältnismässig viel Geld auf dem Grundstück der exklusiven Loge. Es ist es auf jeden Fall Wert.


Dies ist eines der wenigen Gewässern von Afrika, in dem man gewissensfrei schwimmen kann. Keine Bilharzien. Das Wasser ist Glasklar wie die Bergseen bei uns, und angenehm warm. Während des Schwimmens beobachte ich Affen, die sich durch die Bäume schwingen. Ein Drittel des Sees liegt in Kenia und als ich mich wieder auf den Weg zur Hauptstrasse mache, verfahre ich mich prompt über die Grenze. Plötzlich treffe ich auf den Grenzposten aber von der falschen Seite her! Ojé ich sehe mich schon hinter Gittern wegen illegaler Einreise nach Kenia! Nein, nein, halb so wild, erklärende Worte, freundliches Lächeln, Geduld und ein Versprechen meine nächste Reise nach Kenia zu machen, öffnen mir die Tore zurück nach Tansania, alles ganz ohne Geld zu schieben.


Es folgt eine flotte Fahrt nach Same. Langsam verlasse ich das Hochland und es wird immer heisser. Bei 30°C plus, werde ich täglich auf meinem Stahlesel gebraten. Nur der Fahrtwind kühlt ein klein wenig. In Same entscheide ich mich die langweilige Hauptstrasse wieder zu verlassen und durchs Hinterland zu fahren. Auch wenn es holpriger ist, ab und zu rauf und runter geht, ist es doch viel abwechslungsreicher und 6h im Sattel fühlen sich nicht ganz so lange an. In dieser Gegend treffe ich auf, meinen von Senegal her geliebten, Baobab Bäumen wieder.


Das nächste coole Erlebnis, ist die Einladung in eine Grossfamilie. Ich lerne Sadia im Guethouse von Manga kennen, Sie ist eine der Töchter des Besitzers und bittet mich am Morgen bei ihrer Familie vorbei zu kommen und Hallo zu sagen. Aus dem Hallo wurde schlussendlich einen ganzen Tag und noch eine Nacht, die ich bei Sadia im Bett verbringen durfte. Ihr Vater hat 3 Frauen und 16 Kinder…  Manga ist ein winziges Dorf, so spricht sich schnell herum dass dieser verrückte Musungu, der gestern auf dem Fahrrad hierherkam, nun bei einer Familie auf Besuch ist. Während ich mich mit Sadia unterhalte treffen ununterbrochen Schaulustige ein, setzten sich eine Weile und gehen wieder. Alle sind hell begeistert und stolz, eine weisse bei sich zu haben. Sadia ist neben ihrem älteren Bruder, die einzige die Englisch spricht. Hauptbeschäftigung der drei Mütter ist Kochen, ich bekomme schon zum Frühstück Poulet und Chapati, dann am Mittag Poulet, Reis, Bohnen, Spinat, am Nachmittag, Kuchen und Früchte und auch wenn ich fast platze, esse ich abends um 9, aus Anstand noch einen Teller, Ugali (Maisbrei) mit Bohnen und natürlich Poulet. Überwältigt von ihrer Gastfreundschaft und mit dem Verspechen, ihnen die Fotos zu schicken und sie bald wieder zu besuchen, verabschiede ich mich Richtung Lushoto.


Lushoto liegt in den fruchtbaren Usambara Berge. Die Strasse schlängelt sich während 34Km mit angenehmer Steigung auf 1200 MüM hinauf. Ich werde von Sam empfangen, ein Einheimischer Guide der mich zu einem günstigen Guesthouse führt. Wir sind uns sympathisch und nach dem Nachtessen gehen wir mit seinen Freunden in den Ausgang. Endlich wieder einmal tanzen. Tags darauf wandere ich zusammen mit zwei deutschen Frauen zum Aussichtspunkt. Ich geniesse die frische Luft hier oben und auch nachts kann man gut schlafen. Von Lushoto entschliesse ich mich wieder einmal für die Naturstrasse durch die Hügel und wieder hinunter zur Hauptstrasse. Es ist ein sagenhaft schöner Tag. Das Glück ist mit mir, ich schaffe es immer wieder den dunkeln Wolken hinter mir zu entkommen. Erst am Abend, als ich in Korogwe Nachtesse, ergiesst sich ein heftiges Gewitter.






Ein unspektakulärer langer Tag folgt auf die Bergetappe. Ich fahre nach Pangani und treffe das erste Mal in dieser Reise aufs Meer. Als ich das dunkle Blau am Horizont erblicke, überkommt mich ein unbeschreibliches Glücksgefühl, mit Stolz lasse ich die geradelten Km durch meinen Kopf gehen. Während ich zum Strand spaziere lasse ich mich von Rasta Ali bequatschen. Aber alles hat seinen Grund und so bringt er mich später in den Kontakt zweier Frauen aus Dar Es Salaam. Annika und Marie sind hier um Geschenke an die Kinder einer Primarschule zu verteilen. Annika unterstützt diese finanziell. Beim gemeinsamen Nachtessen, geben sie mir Empfehlungen für Dar, wir tauschen Kontakt um uns da wieder zu treffen.


Mein ursprünglicher Plan war von Pangani aus, auf Naturstrasse, der Küste zu folgen und so nach Bagamoyo und dann, Dar Es Salaam zu fahren. Der Plan währe ausführbar gewesen, wenn die Regensaison nicht schon begonnen hätte. Da es jeden Tag sicher einmal heftig regnet und die Naturstrasse in eine Schlammpiste verwandelt, entschliesse ich mich zurück zur Hauptstrasse zu gehen. Für die Strecke die ich bereits geradelt bin, lasse ich mich von einem, mit Zementsäcken geladenen, Lastwagen mitnehmen, wobei ich in der Führerkabine sitzen darf.


Es folgen einige Km auf Terrstrasse durch Grüne, rollende Hügel, bepflanzt mit Bananen Platanen, Ananas, Kasava… Bis ich 10 Km vor Bagamoyo, auf der Umleitungsstrasse wegen Bauarbeiten, nochmal das volle Program Schlaglöcher, Schlamm und Wasserbecken passieren darf. Kurz davor musste ich wegen Regen, Obdach suchen. Dabei kam ich mit diesem Jungen Herr ins Gespräch.

Er ist 18 Jahre alt und unterrichtet als Lehrer an der Primarschule. Sein Englisch ist gerade gut genug um mit Wiederholungen, ein einfaches Gespräch zu führen. Beim studieren meiner Karte braucht er eine Weile bis er Bagamoyo findet. Er bitte mich, 2 Wochen zu bleiben um ihm Englisch zu lernen. Jeder möchte gerne ein Musungu als Freund, weil er ihn ihm die Chance auf ein besseres Leben sieht. Als er Regen stoppt, lädt er mich zu einer Ananas ein und ich trete wieder in die Pedalen.
In Bagamoyo angekommen, mache ich einen Spaziergang am Strand. Es ist Samstag und der Stand gefüllt mit Leuten, die Fussball spielen, schwimmen, spazieren.
 
Ich steh früh auf, da ich gerne beizeiten in grossen Städten wie Dar Es Salaam ankommen möchte. Die Fahrt geht überraschend zackig und ich erreiche schon am Mittag das Ziel meiner Reise. Ein klein bisschen Wehmut überkommt mich. Das Restaurant in dem ich mich mit Annika und Marie treffe befindet sich in Mikocheni, ein Quartier, etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Und gleich nebenan finde ich ein Zimmer zu gutem Preis, bei World Family Radio Maria.  Ich scheine der einzige Gast  zu sein und geniesse die Ruhe. Die nächsten drei Tage erkunde ich Dar Es Salaam, wobei mir positiv auffällt, dass es halb so chaotisch ist wie Kampala und einige ganz schöne, historische Gebäude hat.




Am 2. April nehme ich die Fähre nach Zanzibar und weiter nach Pemba für meine letzte Ferienwoche auf dieser Reise.

Sonntag, 30. März 2014

Wo sich Conny und die Löwen gute Nacht sagen



Mutukula – Arusha 1.03. – 15.03.2014

Gleich nach der Grenze heisst mich Tansania mit seinen weiten Landschaften willkommen. Auf den 85Km bis nach Bukoba am Viktoria See, durchfahre ich nur 1 Dorf. Unweit vom Seeufer quartiere ich mich in ein lokales Hotel ein. Beim Spaziergang am gelben Sandstrand fühle ich mich wie am Meer, denn der Wind lässt die Wellen in monotoner Regelmässigkeit auf den Strand rollen. Ich lerne Alois kennen der im Gegensatz zu sehr vielen andern ein bisschen English spricht. Er hilft mir in der Stadt eine Sim Karte zu bekommen und zeigt mir gleichzeitig die Gegend.  Auch er wünscht sich wie die meisten eine weisse Frau und als ich ihm sage, dass ich verheiratet bin, meint er ich soll doch eine Schwester oder Freundin für ihn bringen.  Mein Versuch ihm zu Erklärung, dass wir weissen aus Liebe heiraten und nicht einfach so, akzeptiert er, aber ob er mich wirklich verstanden hat…. Ich weiss es nicht.


Als ich am Abend den Sonnenuntergang geniesse, erkennt mich die kleine Jai vom Lake Bunyioni wieder. So komme ich ins Gespräch mit Sam ihrer Mutter aus Neuseeland, die in Kabale - Uganda einige Monate Volontär gearbeitet hat und nun, vor deren Rückreise, Ferien in Tansania macht. Die beiden planen wie ich die Montagnacht Fähre nach Mwansa zu nehmen. Ich bin froh um etwas Gesellschaft, ist doch die Kommunikation mit den Einheimischen aufgrund der Sprachlichen Barriere sehr sehr Oberflächlich.


Als ich alle nötigen Papiere für mich und mein Velo zusammenhabe, besteige ich die Fähre und beziehe meine Kabine in der 1. Klasse. Mit einer Flasche Bier in der Hand, lasse ich die erfrischende Nachtluft über mein Gesicht streichen, bevor ich mich auf meine Pritsche zur Ruhe lege. Komischerweise flimmern mir immer wieder Szenen aus Titanic durch den Kopf…
Rechtzeitig zum Sonnenaufgang bin ich zurück an Deck. In der Ferne ist das Ufer von Mwanza zu erkennen. Hier komme ich Peter Gostelow unter, ein Tourenradler der 3 Jahre durch Afrika geradelt ist. Seit einem Jahr unterrichtet er für das Britische Konsulat an einer Lehrerschule hier in Mwanza. Natürlich haben wir allerlei Abenteuer auszutauschen und besprechen die likes und dislikes von verschiedenen Ländern, bei frischem Fisch vom Grill.


Ich treffe mich, zur Besprechung für eine gemeinsame Safari durch den Serengeti  und Ngorongoro National Park, mit Sam und Jai beim Pool eines Hotels. Da lernen wir Don kennen, ein Engländer der in Kenia aufgewachsen ist und hier eine Security Firma gegründet hat. Er ist sehr gesprächig und lädt uns spontan auf Spritzfahrt in seinem Boot ein.


Am Abend lerne ich Max kennen, ein Freund von Peter, auch passionierter Velofahrer, der seid 7 Jahren mit seiner Familie hier wohnt und an der Isamilo internationalen Schule Unterrichtet. Dort findet bald eine Fashionshow zum Thema Recycling statt. Zusammen mit Sam und Jai besuche ich den multikulturellen Anlass und bin begeistert vom Engagement und der Organisation.  So erstatte ich der Schule am Tag darauf erneut einen Besuch ab. Stephan aus Frankreich, ist seit 1 Jahr hier und erzählt mir mit Begeisterung über die guten und weniger guten Seiten des Unterrichtens an internationalen Schulen. Am Sontag gehen die drei Männer jeweils auf eine Velotour. Ich nutze die Gelegenheit um die Umgebung von Mwanza zu sehen. Es macht viel Spass mit den dreien Unterwegs zu sein und so verfliegen die Tage in Mwanza wie im Flug. Stephan lädt Peter und mich zu meinem Abschied zu sich zum Mittagessen ein. Wir werden mit köstlicher Französischer Küche verwöhnt.


Am Montag 10. März verabschiede ich mich von Peter und lade mein Fahrrad auf das Dach des Land Cruisers. Wir alle drei freuen uns wahnsinnig auf die drei Tage in den Nationalparks und wehrweisen welches Tier wir wohl als erstes sehen werden.  Zur optimalen Ausschau kann das Dach ausgefahren werden und wir drei haben mehr als genug Platz. Wir campen die erste Nacht in der Serengeti und die zweite Nacht im Ngorongoro NP. Gideon unser Fahrer kennt sich aus bei den Tieren, er fährt schon seid 7 Jahren durch die NP und erklärt uns allerlei Interessantes über sie. Wir sind hell begeistert über die Vielzahl der Tiere, vor allem Zebras und Gnus, die man mehrheitlich zusammen antrifft. Zu unserem Glück sind diese gerade am Wandern. Das heisst, wir können 1000nde durch die Steppe rennen sehen, sehr eindrücklich. Sowieso bin ich Überwältigt von der Dichte an Tieren. Mein persönliches Highlight, neben den 33 Löwen ist der Leopard der gemütlich auf seinem Ast liegt und Ausschau hält.











 
Und auch am dritten Tag muss Gideon immer wieder anhalten wenn wir Zebras sehen, diese stämmigen Gäule, mit ihren schönen Zeichnungen haben es uns angetan. Und die Giraffen die majestätisch, zu uns niedergucken und dann graziös, in langen Schritten davon gehen…


Verzaubert vom Wunder der Natur fahren wir aus dem Park heraus und verabschieden uns nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen. Sam und Jai nehmen den Bus nach Arusha und ich sattle das Velo und fahre einige Km bis zum Ort mit dem Zungenbrecher Mto Wa Mbu. Unterwegs erlebe ich den ersten Tropischen Regenguss, aus dem Zufluchtsort einer kleinen Papeterie.


Am nächsten Tag fahre ich 112Km durch Massai Land mit wunderschöner Aussicht auf Berge und Ebenen. In Arusha komme ich bei Erik und seiner Familie unter. Ein weiterer Warmshowers Kontakt. Eriks Tochter besucht die Oberstufe in einer internationalen Schule, so nutze ich die Gelegenheit der Bekanntschaft und gehe auf Schulbesuch. Sonst gibt es in Arusha nicht viel zu tun und es zieht mich weiter Richtung Kilimanjaro.

Donnerstag, 6. März 2014

Zwei Engel retten mich aus dem Staub




Fort Portal – Mutukula Grenze zu Tanzania 17.02. – 28.02.2014

Die 75km von Fort Portal nach Kasese sind ein guter Start nach der langen Pause, denn es geht mehrheitlich Bergab. Dementsprechend heisser ist es da auch. Die Strecke verlief am Fusse der Rwenzori Mountains, die höchste Gebirgskette in Afrika, mit Mt. Margarita 5110 MüM. Die Rwenzori Mountains sind einzigartig unter den höchsten Gipfeln Afrikas, weil sie im Vergleich zu Kilimanjaro oder Mount Kenia, nicht vulkanisch sind. Leider blieb mir deren Ansicht verweigert, weil die Luft ganz trüb war von den Brandrodungen und den staubigen Strassen.


Anfänglich hatte ich geplant die 10 Tägige Wanderung zu den Gipfeln zu machen. Mit dem Budgetierten Geld dafür, habe ich dann jedoch den Bau am Haus in Kichwamba finanziert. Nun hab ich einen Grund mehr um wieder nach Uganda zurück zu kommen, denn die faszinierende Landschaft in diesen Höhen, reizt mich sehr zu erkunden.

Nach Kasese, überquer ich den Äquator und fahre in den Queen Elisabeth Nationalpart zur Kyambura River Gorge. Dort soll es ein Camp geben auf welchem ich nach dem Schimpansen Trecking übernachten möchte. Die Bewaldete Schlucht, inmitten der Savannenlandschaft, beheimatet eine Schimpansen Familie, die den Besuch von Zweibeinern gewohnt ist. Nach längerem Marsch durch den Wald treffen wir auf sie und dürfen ihrem Spiel für kurze Zeit beiwohnen.


Schlussendlich stellte sich heraus, dass das Camp gar kein Camp ist, sondern nur der Sitz der Guides. Nach kurzer Verhandlung erlaubten sie mir, doch mein Zelt aufzustellen und ich verbrachte den Abend mit den dreien, Guide, Polizist und Koch, im Schein des Feuers bei Maisstock und Rindsvoressen. In den Gesprächen erfuhr ich noch mehr über den Park, ihre Tätigkeit und Leben.  


Als die Sonne aufging, startete ich in den bevorstehenden grossen Tag, durch den einzigen National Park, den man per Rad durchqueren darf. Unterwegs begegnete ich Affen, Wasserbüffeln, dem Uganda Cob, Wildschweinen, aber leider nicht auf die ersehnten Elefanten. Mein Mittagssandwich esse ich in Gesellschaft einer Baboon Familie, welche gierig auf mein Brot pirscht und sich dann über die Resten meinem Mango hermachen.


Weiter geht’s durch die Savanne in der heissen Sonne. Bevor der Regen kommt, was bald der Fall sein wird, wird das trockene Gras abgebrannt, damit mit dem Wasser, frisches Grün spriessen kann. Hie und da muss ich stoppen und werde von den vorbeifahrenden Lastwagen in Staub gehüllt. Die hügeligen letzten Km vor Kihihi wo ich übernachte, verlangen nochmal all meine Energie. Total erschöpft erreiche ich das Dorf und werde von unzähligen Schulkindern auf ihrem Heimweg begleitet. Deren „ Musungu how are you“ Geschrei, verlangt auch nochmal Nerven ab. Die kalte Dusche wirkt Wunder und als dann noch mein hungriger Bauch gefüllt ist, bin ich Glücklich und Zufrieden.  Allan vom Guesthouse leistet mir ein bisschen Gesellschaft bei einem kalten Bier, dann geht’s ab in die Federn, ääh auf die Schaumstoff Matratze.


Spontan ändere ich meine Reiseroute am morgen und entscheide, doch zum viel umschwärmten Bunyonyi See zu fahren. Da weiss ich noch nicht, dass ich mich für die schlimmste Strasse die ich je in meinem Leben gefahren bin entschlossen habe. Landschaftlich spektakulär, verläuft die Naturstrasse durch die, mit Tee und Matoke bepflanzten, grünen Hügel.


Zur Mittagszeit habe ich erst 28Km zurückgelegt, 32Km warten noch auf mich, was eigentlich kein Problem wäre, wäre da nicht der miserable Zustand der Strasse! Weil es seid Wochen nicht geregnet hat, fahre ich in 20cm dickem Staub, so fein vergleichbar mit Asche. Geradeaus geht’s grad noch so, aber ich muss ununterbrochen hoch und runter fahren. Steigungen von 9% zwingen mich das Velo zu stossen. Und ein vollbepacktes Velo zu stossen ist anstrengender, als es zu fahren!
Als zwei Jungs auf ihrem Bodaboda vorbeifahren, rufe ich aus Spass, sie sollen mich ziehen. Sam streckt seinen Arm aus, ich greife seine Hand und so versuchen wir voranzukommen. Natürlich ist das viel zu anstrengend. Sie stoppen, wir reden, und Ronald meint, wenn wir ein Seil um seinen Gepäckträger und um mein Lenkrad binden, sollte es funktionieren. Ich dachte erst er mache Witze, aber es war sein Ernst und so erwies sich mein Spann Set einmal mehr als supernützlich.


Im Schlepptau des Bodaboda kämpften wir uns 3h Hügel hoch und Hügel runter bis zur Hauptstrasse. Hier wollte ich eigentlich nächtigen, es gab jedoch kein Guesthouse und so überredeten mich Sam und Ronald, bis nach Kabale zu kommen. Es war schon dunkel, als mich meine zwei rettenden Engel beim Backpacker absetzten. Dieser Tag geht in meine Lebensgeschichte ein, ich denke keiner von uns dreien wird dieses Abenteuer je vergessen.

Tags darauf lade ich die zwei zum Mittagessen ein. Weil ich mich entschlossen habe, nicht mit dem Rad zum See hoch zu fahren, offeriert Ronald mich am Abend hin zu bringen und nach zwei Nächten wieder ab zu holen. Während meines Ruhetages, erkunde ich den See mit seinen 29 Inseln per Kayak und wandere mit den Kindern der Backpacker Besitzerin zum Aussichtspunkt. Crystal aus Kanada ist mit einem Einheimischen verheiratet, hat eine Schule mit mittlerweilen 150 Kindern aufgebaut und hat nun den Backpacker im Bau. Sie ist eine interessante Gesprächspartnerin beim gemeinsamen Nachtessen mit herrlicher Aussicht auf den See.



Auf Anraten von diversen Leuten, verfrachte ich mein Rad, für die Strecke Kabale - Mbarara auf ein Matatu (Minibus Taxi). Der grösste Teil dieser Hauptstrasse ist in katastrophalem Zustand, mit vielen Schlaglöchern, schwerem Verkehr und wenig Ausweichmöglichkeiten. Ich bin froh sitze ich im Taxi, auch weil es den ganzen Tag regnet. Von Mbarara aus ist die Strasse wieder gut, das Wetter wird besser. Und so radle ich meine letzten Tage in Uganda, mit nur einem nennenswerten Ereignisse, nämlich den Zebras die neben der Strasse grasen.


Uganda hat mir unglaublich gut gefallen. Die recht dichte Besiedlung macht es einfach an Essen und Trinken zu kommen oder ein günstiges Guesthouse zur Übernachtung zu finden. Da ab der Primarschule Englisch unterrichtet wird, ist die Kommunikation zu den Einheimischen problemlos. Ich knüpfte schnell Kontakte und hatte gute Gespräche. Hoffentlich werd ich eines Tages zurückkommen.